Junge Pflegende – Wenn Kinder sich kümmern müssen
Checkliste: Unterstützung für junge Pflegende
- Wer sind junge Pflegende? – Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene (oft unter 18, manchmal bis 25 Jahre), die regelmäßig Pflegeverantwortung für Familienmitglieder übernehmen (z. B. kranke Geschwister, Eltern mit psychischen oder physischen Erkrankungen).
- Welche Aufgaben übernehmen sie? – Das Spektrum reicht von der Mithilfe im Haushalt und bei der Körperpflege über Übersetzertätigkeiten bei Ärzten bis hin zur emotionalen Stütze für die Familie.
- Herausforderungen – Oft leiden die schulischen Leistungen, eigene Hobbys kommen zu kurz und soziale Kontakte brechen ab. Die seelische Belastung ist hoch.
- Wo gibt es Hilfe? – Wichtige Anlaufstellen in Deutschland sind das Projekt „Pausentaste“ (Kummertelefon) oder die Nummer gegen Kummer (116 111). Zudem gibt es regionale Selbsthilfegruppen für Young Carers.
- Wie erkennt das Umfeld die Situation? – Lehrer, Erzieher und Trainer sollten aufmerksam sein, wenn Kinder oft erschöpft sind, häufig fehlen oder ungewöhnlich viel Verantwortung ausstrahlen.
Die versteckte Last im Familienalltag
Sie holen Medikamente, helfen dem kranken Vater beim Waschen oder kümmern sich nach der Schule um die jüngeren Geschwister, weil die alleinerziehende Mutter an starken Depressionen leidet. Sogenannte „Young Carers“ (junge Pflegende) sind ein häufig übersehenes Phänomen in unserer Gesellschaft.
Kinder und Jugendliche, die in die Pflegerolle rutschen, tun dies meist aus großer Liebe und Loyalität zur Familie. Doch diese Vorbildlichkeit hat oft einen hohen Preis. Die eigenen Bedürfnisse – egal ob Hausaufgaben, Verabredungen mit Freunden oder einfach nur unbeschwerte Freizeit – rücken in den Hintergrund. Viele der Betroffenen schweigen über ihre Situation zu Hause, weil sie Angst haben, dass die Familie auseinandergerissen werden könnte, wenn Ämter eingeschaltet werden.
Umso wichtiger ist es, dass diese stark beanspruchten Kinder und Jugendlichen wissen: Es ist völlig in Ordnung, auch mal an sich selbst zu denken und sich Hilfe zu holen.
Über das bundesweite Angebot „Pausentaste“ können betroffene Kinder völlig anonym per Mail oder Chat Kontakt zu Beratern aufnehmen. Auch Schulsozialarbeiter sind gute erste Ansprechpartner. Sie können helfen, Unterstützungsnetzwerke für die Familie (wie Pflegedienste oder Haushaltshilfen) zu organisieren, damit die Kinder wieder ein Stück kindliche Sorglosigkeit zurückerhalten.