Sicher durch Berlin: Verkehrserziehung für Kinder
Checkliste: Der sichere Schulweg
- Der Schulweg muss trainiert werden – Beginne rechtzeitig vor der Einschulung im August. Gehe den exakten Schulweg dutzende Male bei realem Straßenverkehrsaufkommen (morgens!). Lass das Kind die Führung übernehmen und laufe korrigierend daneben.
- Elterntaxi = Gefahr – Das Vorfahren mit dem dicken SUV direkt bis in die Haltezone vor dem Schultor schadet immens. Erstens entzieht es dem Kind das tägliche Training und zweitens gefährdet das Ein- und Auspark-Chaos in 2. Reihe die restlichen Schüler massiv.
- Fahrradfahren auf dem Gehweg – Bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen Kinder auf dem Gehweg fahren – erlaubt ist alternativ nur ein baulich von der Straße getrennter Radweg (eine Begleitperson ab 16 Jahren darf mit auf dem Gehweg fahren). Zwischen dem 8. und 10. Geburtstag dürfen sie auf den Radweg, danach müssen sie den Radweg oder die Straße nutzen.
- Ausrüstung und Sichtbarkeit – Gerade in den dunklen Berliner Wintermonaten sind grelle Textilien und stark reflektierende Reflektoren am Ranzen sowie eine exzellent funktionierende Fahrrad-Beleuchtung eine echte Lebensversicherung!
- Jugendverkehrsschulen in Berlin – Nutze sie! Jedes Bezirksamt betreibt diese kleinen Übungsparcours mit Ampeln und Schildern, oft am Nachmittag absolut frei und kostenlos zugänglich.
Ein urbanes Haifischbecken
Der Berliner Straßenverkehr ist rau, unberechenbar und leider stark verdichtet. Lieferwagen parken auf Radwegen, E-Roller rasen über den Bürgersteig und Autotüren schwingen plötzlich auf. Ein Kind sicher in diese städtische Verkehrsmaschinerie zu entlassen, erfordert von Eltern daher starkes Training, eiserne Nerven – und sehr klares eigenes Vorbildverhalten.
Das bedeutet klipp und klar: Überquert man mit dem Dreijährigen demonstrativ jeden Tag bei Rot die Ampel, solange kein Auto kommt, lernt das Kind exakt das: Die Ampel ist eigentlich total egal. Und im Grundschulalter, wenn Distanzen und Geschwindigkeiten ohnehin oft noch nicht richtig eingeschätzt werden, führt dieses Handeln dann zu lebensgefährlichen Konsequenzen.
Ein toller Baustein in Berlin sind die Jugendverkehrsschulen der Bezirke. In der vierten Klasse findet dort ohnehin standardisiert der Verkehrsunterricht durch Polizeibeamte mit abschließender Fahrradprüfung (dem "Fahrrad-Führerschein") statt. Aber Eltern können diese geschützten Räume – sie wirken wie kleine Mini-Berlins mit winzigen Zebrastreifen und Ampeln – oft auch nachmittags nutzen. Besonders beim Erlernen des Fahrradfahrens im Vor- und Grundschulalter nehmen diese Plätze völlig den Druck von der tatsächlichen, lauten Straße.
Tipp für besorgte Eltern: Organisiert mit anderen Familien aus dem Kiez einen sogenannten Walking Bus. Dabei sammelt eine Begleitperson auf dem Weg per "Haltestellen-Prinzip" drei, vier andere Kinder ein und sie absolvieren gemeinsam und extrem sichtbar (gern mit Warnwesten!) den morgendlichen Schulweg. Dieses Modell trainiert die Selbständigkeit und beruhigt Helikopter-Nerven exzellent.