Hilfe bei häuslicher Gewalt: Schutz für dich und deine Kinder
Checkliste: Erste Schritte aus der Gewalt
- 110 wählen! – Wenn akut Gefahr im Verzug ist oder die Situation eskaliert, zögere nicht, die Polizei zu rufen. Sie kann Gewalttäter sofort für mehrere Tage der Wohnung verweisen.
- Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" – Unter der Nummer 116 016 erreichst du bundesweit, rund um die Uhr, kostenlos und anonym erfahrene Beraterinnen, die dir zuhören und nächste Schritte planen.
- Berliner BIG Hotline – Unter 030 / 611 03 00 bietet die "Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen" muttersprachliche und anonyme Hilfe sowie die Vermittlung von Frauenhausplätzen in Berlin.
- Beweise sichern – Falls möglich, lasse Verletzungen ärztlich dokumentieren. Eine sogenannte Gewaltschutzambulanz an der Charité macht dies gerichtsfest, selbst wenn du noch nicht bereit für eine Anzeige bist.
- Notfalltasche packen – Deponiere wichtige Dokumente (Ausweise, Geburtsurkunden der Kinder, Krankenkassenkarten), etwas Geld und Nötigstes bei Freunden für den Fall, dass du fluchtartig die Wohnung verlassen musst.
Du bist nicht schuld – und nicht allein
Häusliche Gewalt hat viele Gesichter und beginnt oft schleichend. Es sind nicht nur Schläge oder Tritte. Auch permanente Kontrolle, Demütigungen, das Verbieten von Kontakten zu Freunden oder die Vorenthaltung von finanziellem Zugang sind massive Formen der Gewalt. Die wichtigste und oft schwerste Erkenntnis ist: Du trägst niemals die Schuld an der Gewalt, die dir oder deinen Kindern angetan wird. Und du musst diese Situation nicht aushalten. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, ist aus Scham oder Angst extrem hoch.
Gerade als Mutter oder Vater denkst du vielleicht, du müsstest die Familie "zusammenhalten" oder der Auszug würde den Kindern schaden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Das Miterleben von Gewalt zwischen den Eltern traumatisiert Kinder tiefgreifend und nachhaltig. Das Land Berlin hat deshalb ein engmaschiges und erprobtes Netz an Schutzstrukturen aufgebaut, um Betroffenen (und das betrifft in der überwiegenden Mehrheit Frauen, jedoch auch Männer) einen direkten Ausweg zu bieten.
Zu diesen Strukturen gehören beispielsweise die Berliner Frauenhäuser. Sie bieten eine geschützte, anonyme Unterkunft für dich und deine Kinder. Du bekommst dort nicht nur ein vorübergehendes sicheres Bett, sondern intensive juristische und psychologische Begleitung bei der Aufarbeitung, der Klärung von Unterhaltsfragen und der Suche nach einer neuen eigenen Wohnung.
Solltest du noch nicht den Mut gefasst haben, das System endgültig zu verlassen, helfen spezialisierte ambulante Beratungsstellen. Wichtig ist: Mach den ersten Schritt. Vertraue dich jemandem an – sei es anonym am Telefon, einer Nachbarin oder der Erzieherin in der Kita. Es gibt Wege nach draußen, und du musst sie nicht allein gehen.