Vertrauliche Geburt: Sicher entbinden, ohne deinen Namen preiszugeben
Checkliste: Vertrauliche Geburt
- Was ist das? – Du entbindest unter einem Pseudonym im Krankenhaus. Dein echter Name wird in einem versiegelten Umschlag beim Bundesamt für Familie aufbewahrt.
- Für wen? – Für Frauen, die ihre Schwangerschaft geheim halten möchten oder müssen – egal aus welchem Grund
- Kosten – komplett kostenlos, alle Kosten für Vorsorge, Geburt und Nachsorge werden vom Staat übernommen
- Beratung – eine Schwangerschaftsberatungsstelle begleitet dich durch den gesamten Prozess (Pflicht, aber vertraulich)
- Das Kind – wird nach der Geburt in eine Adoptionspflegefamilie gegeben. Du hast 1 Jahr Zeit, deine Entscheidung zu überdenken.
- Recht des Kindes – ab dem 16. Lebensjahr kann das Kind Einsicht in deine Identität beantragen. Du kannst dem widersprechen.
- Hilfetelefon – 0800 40 40 020 (24/7, kostenlos, anonym, mehrsprachig)
- Kein Vergleich zur Babyklappe – die vertrauliche Geburt ist sicherer: medizinische Versorgung plus späterer Zugang des Kindes zur Herkunft
Ein Weg, der dich und dein Kind schützt
Manchmal geraten Frauen in Situationen, in denen eine Schwangerschaft nicht bekannt werden darf – oder soll. Die Gründe können vielfältig sein: Gewalt in der Beziehung, familiärer Druck, gesellschaftliche Ächtung, existenzielle Angst. Für genau diese Situationen gibt es seit 2014 die vertrauliche Geburt. Sie ist ein legaler, sicherer Weg, ein Kind zur Welt zu bringen, ohne die eigene Identität preisgeben zu müssen.
So funktioniert es: Du nimmst Kontakt zu einer Schwangerschaftsberatungsstelle auf. Die Beraterin kennt deinen echten Namen, unterliegt aber der Schweigepflicht. Gemeinsam wird alles organisiert: Vorsorgeuntersuchungen unter Pseudonym, die Geburt in einem Krankenhaus und die Nachsorge. Dein richtiger Name wird in einem versiegelten Umschlag an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) geschickt und dort sicher verwahrt.
Alle Kosten – Vorsorge, Geburt, Krankenhausaufenthalt, Nachsorge – übernimmt der Staat. Du musst weder deine Krankenkasse einschalten noch irgendwo Angaben zu deiner Person machen. Die gesamte medizinische Versorgung läuft über das Pseudonym.
Nach der Geburt wird das Kind vom Jugendamt in Obhut genommen und in eine Adoptionspflegefamilie vermittelt. Aber: Du hast ein ganzes Jahr Zeit, deine Entscheidung zu überdenken. Wenn du dich innerhalb dieser Frist doch dafür entscheidest, dein Kind selbst aufzuziehen, ist das möglich. Die Beratungsstelle begleitet dich auch dabei.
Das Kind hat ab seinem 16. Geburtstag das Recht, Einsicht in den versiegelten Umschlag zu beantragen und so die Identität seiner Mutter zu erfahren. Du kannst dem widersprechen – dann entscheidet ein Familiengericht, wobei die Interessen beider Seiten abgewogen werden.
Die vertrauliche Geburt unterscheidet sich grundlegend von einer anonymen Geburt oder Babyklappe: Bei der vertraulichen Geburt bekommst du volle medizinische Versorgung, und dein Kind hat später die Möglichkeit, seine Herkunft zu erfahren. Das ist ein wichtiger Unterschied – sowohl für deine Sicherheit als auch für das Recht des Kindes.
Der erste Schritt ist oft der schwerste. Das Hilfetelefon „Schwangere in Not" ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 40 40 020 – kostenlos, anonym und in vielen Sprachen. Du kannst auch den Chat oder die E-Mail-Beratung nutzen, wenn dir ein Anruf zu schwer fällt. Niemand wird dich verurteilen. Es geht darum, einen sicheren Weg zu finden – für dich und dein Kind.