Ehrenamtliche Hilfe für Geflüchtete – Engagement in Berlin
Checkliste: Ziviles Engagement
- Motivation & Ressourcen klären – Vor dem Start: Wieviel Zeit kann und will ich aufbringen? Traue ich mir den emotionalen Umgang mit sensiblen Fluchtgeschichten zu? Geht es mir um regelmäßige Betreuung oder punktuelle Hilfe?
- Formen der Hilfe – Die Möglichkeiten sind grenzenlos: Begleitung zu Ärzten und Ämtern (ideal für Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen), Hausaufgabenbetreuung für Kinder, Freizeit-Paten (Zusammen kochen, Sport, Museum), Organisation von Spendenkammern.
- Unbegleitete minderjährige Geflüchtete – Jugendliche, die ohne Eltern hier angekommen sind, brauchen besondere Unterstützung. Es gibt spezialisierte Projekte zur Übernahme ehrenamtlicher Patenschaften oder Vormundschaften für Minderjährige.
- Wohnraum anbieten – Wenn in der eigenen WG ein Zimmer frei wird oder Sie Wohnungen vermieten, können Sie diese an Geflüchtete anbieten (Stichwort: „Unterbringung in Wohnraum"). Initiativen wie „Zusammenleben Willkommen" helfen bei der WG-Zimmer-Vermittlung.
- Zeit spenden vs. Geld/Sachen spenden – Wer keine laufende Verpflichtung eingehen kann, ist oft mit zielgerichteten Sach- oder Geldspenden gut aufgestellt. Klären Sie aber immer erst ab, WAS in den Unterkünften aktuell gebraucht wird (Kleidung ist oft genug da, dringend gesucht werden meist eher Schulmaterialien oder Kinderwagen).
Zusammenhalt in der Zivilgesellschaft
Berlin ist eine vielfältige, offene Stadt – und wenn geflüchtete Menschen nach Kriegen, Katastrophen oder politischer Verfolgung hier Schutz suchen, ist die Zivilgesellschaft oft schneller und pragmatischer als die Bürokratie.
Die Integration – also das wirkliche Ankommen, das Verstehen der Abläufe, das Finden von Freunden und das Erlernen der Sprache – geschieht im Alltag. Und dieser Alltag ist auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Ohne die Tausenden Berlinerinnen und Berliner, die sich engagieren, wäre das System überfordert.
Wer als Familie helfen möchte, für den bieten sich niederschwellige Formen der Patenschaft an. Oft entstehen Freundschaften, wenn Kinder zusammengebracht werden – etwa bei Sportvereinen, auf Spielplätzen in der Nachbarschaft oder in lokalen Familienzentren. Einladung zu Festen, gemeinsames Spielen im Hof oder das Klären kleinerer Briefe über dem Küchentisch sind oft die wirkungsvollste Form der Willkommenskultur.
Wer sich organisieren möchte, findet über Freiwilligenagenturen und Netzwerke den richtigen Platz. Fast jede große Unterkunft oder Aufnahmeeinrichtung des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) hat eine Ehrenamtskoordination. Dort können Sie sich melden, wenn Sie in einer Unterkunft in Ihrem Mühlenkiez oder Bezirk mithelfen möchten. Sie wissen tagesaktuell, ob eher Helfer für die Fahrradwerkstatt, Vorlesepaten für die Kinderbetreuung oder Lotsen für Arztbesuche benötigt werden.
Gerade bei der Begleitung zu Behörden (Termine beim Jobcenter, Ausländerbehörde, Wohnungsbesichtigungen) sind Paten Gold wert – weil geflüchtete Menschen ohne Sprachkenntnisse dort völlig aufgeschlossen und oft überfordert sind. Wer eine zweite Sprache (Ukrainisch, Arabisch, Farsi, Russisch, Englisch) beherrscht, ist für kurze Übersetzertätigkeiten bei solchen Terminen stark gefragt.
Ebenfalls ein drängendes Thema ist das Wohnen: Wenn Sie Wohnraum besitzen oder ein WG-Zimmer haben, informieren Sie sich bei Projekten wie dem Landesprogramm „Wohnraum für Geflüchtete" oder privaten Vermittlungsinitiativen, die beim Abschluss von rechtssicheren Mietverträgen für Geflüchtete in Wohnungen helfen.