Psychische Gesundheit: Wenn Kinder und Jugendliche Hilfe brauchen
Checkliste: Psychische Gesundheit
- Warnsignale erkennen – Anhaltende Traurigkeit oder Reizbarkeit, sozialer Rückzug, Schlafstörungen, unerklärliche körperliche Beschwerden (Bauch- oder Kopfschmerzen), plötzlicher Leistungsabfall in der Schule, verändertes Essverhalten, Ängste, Aggressivität oder Selbstverletzung können Hinweise auf psychische Probleme sein.
- Vorsorgeuntersuchungen – Die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) können erste Anzeichen psychischer Auffälligkeiten erkennen. Unbedingt wahrnehmen!
- Erste Anlaufstelle – Die Kinderarztpraxis ist ein guter erster Ansprechpartner. Von dort aus kann an Spezialisten überwiesen werden.
- Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst – Die Gesundheitsämter der Bezirke haben einen eigenen psychiatrischen Dienst für Kinder und Jugendliche.
- Kinder- und Jugendambulanzen (KJA/SPZ) – Die Koordinationsstelle vermittelt an die passende Ambulanz oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum.
- Erziehungs- und Familienberatung – Kostenlose, niedrigschwellige Beratung bei Erziehungsproblemen und familiären Konflikten in jedem Bezirk.
- Therapie finden – Die Bundespsychotherapeutenkammer (bptk.de), der Psychotherapie-Informationsdienst und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin helfen bei der Suche nach Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.
- Online-Beratung – jugendnotmail.de (anonym, kostenlos), fideo.de (Forum zum Thema Depression), HILF-MIR Berlin (Suchmaschine für Hilfsangebote).
- Angehörigenberatung – Der Landesverband Berlin der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (ApK Berlin) berät Familienmitglieder persönlich, telefonisch und online.
Hinschauen, zuhören, handeln
Verhält sich das Kind anders als gewohnt? Zieht es sich zurück, ist über längere Zeit traurig oder gereizt? Klagt es häufig über Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, ohne dass ein körperlicher Grund zu finden ist? Hat sich das Essverhalten verändert oder der Schlaf?
Solche Veränderungen können viele Ursachen haben – manchmal sind sie Teil einer normalen Entwicklungsphase. Aber sie können auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung sein. Depressionen, Angst- und Essstörungen kommen bereits bei Kindern und Jugendlichen vor – häufiger, als viele denken.
Die wichtigste Botschaft: Psychische Erkrankungen sind kein Versagen der Eltern und kein Zeichen von Schwäche beim Kind. Sie sind Erkrankungen, die behandelt werden können – und je früher, desto besser.
Der erste Schritt ist, genau hinzuschauen. Auf der Seite seelisch-gesund-aufwachsen.de der Deutschen Liga für das Kind gibt es Merkblätter zur seelischen Gesundheit für verschiedene Altersgruppen. Die Seite neurologen-und-psychiater-im-netz.org listet mögliche Warnzeichen für psychische Probleme und Störungen bei Kindern und Jugendlichen.
Wenn du dir Sorgen machst, wende dich an die Kinderarztpraxis – sie kann eine erste Einschätzung geben und an Spezialisten überweisen. Weitere wichtige Anlaufstellen in Berlin: der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst in den Gesundheitsämtern, die Berliner Kinder- und Jugendambulanzen (KJA/SPZ) und die Erziehungs- und Familienberatungsstellen in jedem Bezirk (kostenfrei, ohne Überweisung).
Bei der Suche nach einem Therapeuten oder einer Therapeutin helfen die Bundespsychotherapeutenkammer mit ihrer Therapeutensuche, der Psychotherapie-Informationsdienst und die Online-Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin. Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie sind über die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) zu finden.
Für Jugendliche selbst gibt es niedrigschwellige Online-Beratung: jugendnotmail.de bietet anonyme, kostenlose Beratung durch Fachkräfte. Auf fideo.de können sich Jugendliche zum Thema Depressionen austauschen und Antworten auf häufige Fragen finden. Mit HILF-MIR Berlin steht eine Suchmaschine für psychosoziale Hilfsangebote zur Verfügung.
Nicht vergessen: Auch Eltern und Geschwister sind von psychischen Erkrankungen in der Familie betroffen. Der Landesverband Berlin der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (ApK Berlin) bietet kostenlose, unabhängige Beratung – persönlich, telefonisch oder online. Ihr müsst das nicht allein durchstehen.